Blick auf die Berliner Innenstadt

Apotheken in Berlin: Was hinter der Schließungswelle steckt

Apotheken in Berlin sind seit Monaten ein Thema in der Stadt, und zwar nicht nur wegen einzelner Schließungen im Kiez. Im März 2026 blieben viele Offizinen für einen Tag ganz bewusst zu. Was dahintersteckt, wie viele Apotheken es in der Hauptstadt noch gibt und was das für deinen Alltag bedeutet, erfährst du hier.

Auf einen Blick

  • Berlin hatte Ende 2025 noch 673 Apotheken, 14 weniger als ein Jahr zuvor (minus 2,0 Prozent).
  • Ende Juni 2026 waren es laut Abfrage der Pharmazeutischen Zeitung noch 667.
  • Seit der letzten Honoraranpassung vor 13 Jahren sind laut dpa rund 20 Prozent der Berliner Apotheken verschwunden.
  • Im Vergleich zu Flächenländern ist die Dichte in Berlin trotzdem hoch: Im Schnitt liegen rund 104 Apotheken im Umkreis von sechs Kilometern.

Warum blieben Berliner Apotheken am 23. März zu?

Den Anlass beschreibt der Tagesspiegel in einer dpa-Meldung vom 19. März 2026: Der Berliner Apotheker-Verein kündigte an, dass sich viele Apotheken der Stadt an einem bundesweiten Protesttag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände beteiligen. Betroffene Kundinnen und Kunden sollten ihre Rezepte nach Möglichkeit schon vor dem Montag einlösen. Die Vorsitzende des Vereins, Anke Rüdinger, warnte sinngemäß, dass die Versorgung mit Arzneimitteln gefährdet sei, wenn die Vor-Ort-Apotheken wirtschaftlich weiter geschwächt würden.

Der Kern des Streits ist das Honorar. Das Entgelt, das Apotheken für die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel erhalten, ist nach Angaben der Verbände seit 13 Jahren nicht gestiegen, während Löhne und Betriebskosten sehr wohl gestiegen sind. Laut Tagesspiegel mussten seit damals rund 20 Prozent der Apotheken in Berlin schließen. Am Tag des Protests selbst meldete der Tagesspiegel zentrale Kundgebungen in Berlin, München, Düsseldorf und Hannover. Die Apothekerkammer Berlin erklärte laut dieser Meldung, dass die pharmazeutische Versorgung auch am Protesttag gewährleistet bleibe.

Wie viele Apotheken gibt es in Berlin aktuell?

Verlässliche Zahlen liefern zwei Quellen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo), das in Berlin Betriebserlaubnisse erteilt und Apotheken überwacht, nennt für den 31. Dezember 2024 rund 687 öffentliche Apotheken und 11 Krankenhausapotheken. Die Pharmazeutische Zeitung (PZ) fragt Quartal für Quartal bei den Landesapothekerkammern nach. Ihre Berliner Werte ergeben ein klares Bild:

  • Ende 2025: 673 Apotheken. Im Jahr 2025 gab es ein Minus von 14, im vierten Quartal fünf Schließungen und eine Neueröffnung.
  • Ende März 2026: 668 Apotheken, nach sieben Schließungen und zwei Neueröffnungen im ersten Quartal.
  • Ende Juni 2026: 667 Apotheken, nach einer Schließung und keiner Neueröffnung im zweiten Quartal.

Rechnet man die beiden Quartale zusammen, standen im ersten Halbjahr 2026 acht Schließungen und zwei Neueröffnungen gegenüber. Unter dem Strich sind das sechs Apotheken weniger als zum Jahreswechsel. Das ist ein langsameres Tempo als in manchen Vorjahren, aber eben weiterhin ein Rückgang. Zu beachten ist, dass die PZ-Zahlen auf Rückmeldungen der Kammer beruhen und die Zählweisen von Amt und Kammer leicht voneinander abweichen können.

Heißt weniger Apotheken automatisch schlechtere Versorgung?

Nicht in jedem Fall, und diese Differenzierung ist wichtig. Eine Auswertung der Barmer, über die die PZ am 4. Mai 2026 berichtete, sieht Berlin bei der Apothekendichte bundesweit an der Spitze. Im Durchschnitt liegen dort rund 104 Apotheken in einem Radius von sechs Kilometern. Für Menschen ab 65 Jahren sind es immer noch etwa 93. In Mecklenburg-Vorpommern sind es dagegen im Schnitt nur etwa 8. Berlin hat also vergleichsweise viel Luft, bevor sich Wege spürbar verlängern.

Gleichzeitig zeigt der Protest, dass der Durchschnitt nicht alles sagt. Wo einzelne Apotheken wegfallen, trifft das Quartiere unterschiedlich. Die Leiterin der Barmer-Landesvertretung Berlin-Brandenburg, Gabriela Leyh, plädiert deshalb für einen differenzierten Blick auf die Versorgung je Region und hält eine pauschale Förderung aller Apotheken für nicht gerechtfertigt. Sie nennt außerdem Botendienste und digitale Angebote als wichtige Ergänzung, vor allem für ältere Menschen. Wie sich einzelne Bezirke entwickelt haben, schauen wir uns im nächsten Beitrag dieser Reihe genauer an.

Was bedeutet das für dich?

Für den Alltag musst du dir derzeit keine Sorgen machen, dass in Berlin plötzlich keine Apotheke mehr erreichbar wäre. Trotzdem lohnt es sich, ein paar Gewohnheiten zu pflegen. Such dir eine Stammapotheke in der Nähe, die dich und deine Medikation kennt. Plane Folgerezepte etwas früher ein, damit du bei einer kurzfristigen Veränderung im Kiez nicht unter Zeitdruck gerätst. Und informiere dich, welche Apotheken in deiner Umgebung liegen: Auf der Seite Apotheken in Berlin auf der Karte finden siehst du alle Standorte, und auf der Übersichtsseite zu Apotheken in Berlin findest du weitere Informationen zur Stadt. Wer über Berlin hinausschauen möchte, nutzt das bundesweite Apothekenverzeichnis.

Wenn eine Apotheke in deiner Nachbarschaft schließt, ist das übrigens keine Ausnahme von einer Regel, sondern Teil eines Trends, den Kammer, Verbände und Politik seit Jahren diskutieren. Ob die Anhebung des Fixums, die inzwischen in Kraft getreten ist, daran etwas ändert, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen. Für Berlin gilt vorerst: Die Dichte ist hoch, der Trend zeigt aber nach unten, und genau deshalb lohnt der Blick auf das, was vor Ort noch da ist.

Quellen und weiterführende Links