Karte mit Apothekenstandorten in Berlin

Apotheken in Berlin: Die Entwicklung seit 2014 im Überblick

Die Zahl der Apotheken in Berlin sinkt seit Jahren, doch wie kam es eigentlich dazu? Im ersten Beitrag dieser Reihe ging es um den Protesttag im März 2026 und die aktuellen Zahlen. Hier schauen wir zurück: auf die Entwicklung seit 2014, die Unterschiede zwischen den Bezirken und die Gründe, die der Senat selbst nennt.

Auf einen Blick

  • Berlin hatte vor rund zehn Jahren noch 863 Apotheken, Ende 2023 laut Senat nur noch 718.
  • Seit 2014 haben 145 Apotheken geschlossen, am stärksten betroffen ist prozentual Lichtenberg mit 26,2 Prozent.
  • Der Senat sieht vor allem betriebswirtschaftliche Gründe: Honorar, gestiegene Kosten, Personalmangel.
  • Seit 1. Juli 2026 gilt ein höheres Fixum von 9 Euro, zum Jahreswechsel soll es auf 9,50 Euro steigen.

Wie stark ist die Zahl seit 2014 gesunken?

Die genauesten Zahlen für den Zeitverlauf stammen aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage des Abgeordneten Kristian Ronneburg (Die Linke) im Berliner Abgeordnetenhaus. APOTHEKE ADHOC berichtete im September 2024 darüber. Danach fiel die Zahl der Berliner Apotheken von 863 vor etwa zehn Jahren auf 718 am Ende des Jahres 2023. Das sind 145 Schließungen seit 2014. Im Schnitt versorgte eine Apotheke damals rund 5.290 Einwohnerinnen und Einwohner, der Bundesdurchschnitt lag bei 4.819.

Die Entwicklung ging danach weiter. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales nennt für Ende 2024 etwa 687 öffentliche Apotheken und 11 Krankenhausapotheken. Die Pharmazeutische Zeitung ermittelte für das Jahr 2025 ein Minus von 14 auf 673 Apotheken, was minus 2,0 Prozent entspricht. Im ersten Quartal 2026 standen sieben Schließungen und zwei Neueröffnungen gegenüber, Ende März waren es 668. Ende Juni zählte die PZ noch 667. Weil Amt, Senat und Kammer unterschiedlich zählen, solltest du die Werte nicht eins zu eins aneinanderreihen. Die Richtung ist in allen Quellen aber dieselbe.

Welche Bezirke hat es am stärksten getroffen?

Die Senatsantwort schlüsselt die Schließungen seit 2014 nach Bezirken auf. Die Unterschiede sind erheblich:

  • Lichtenberg: 16 Schließungen, das sind 26,2 Prozent. Die verbliebenen 45 Apotheken versorgen im Schnitt etwa 6.800 Einwohner je Apotheke.
  • Steglitz-Zehlendorf: minus 17, also 22 Prozent.
  • Friedrichshain-Kreuzberg: minus 13, also 20,3 Prozent.
  • Charlottenburg-Wilmersdorf: mit 22 die meisten Schließungen in absoluten Zahlen. Dort kommt trotzdem eine Apotheke auf rund 3.700 Einwohner.
  • Spandau (6,4 Prozent) und Neukölln (9 Prozent) sind am wenigsten betroffen.

Das zeigt: Ein hoher Verlust in der Innenstadt heißt nicht zwangsläufig, dass die Versorgung dünn wird, weil dort sehr viele Apotheken dicht beieinanderliegen. In Lichtenberg dagegen trifft derselbe Rückgang auf einen Bezirk, in dem schon vorher mehr Menschen auf eine Apotheke kamen. Wie weit die Wege im Alltag wirklich sind, lässt sich nur vor Ort beurteilen. Auf der Karte mit Apotheken in Berlin kannst du das für deine Straße selbst prüfen.

Welche Gründe nennt der Senat?

Interessant ist, wie zurückhaltend die Landesregierung antwortet. Laut APOTHEKE ADHOC nannte der Senat keine konkreten Gründe für einzelne Schließungen. Allgemein lasse sich aber vermuten, dass in erster Linie betriebswirtschaftliche Gründe eine Rolle spielten. Konkret verweist die Antwort auf mehrere Punkte:

  • Das Honorar je Packung sei seit 2013 nicht gestiegen. Das GKV-Stabilisierungsgesetz von 2022 habe den Kassenabschlag für zwei Jahre erhöht und damit faktisch zu einer Kürzung geführt.
  • Personal-, Energie- und sonstige Betriebskosten seien deutlich gestiegen. Die Inflation seit 2013 beziffert die Antwort auf etwa 38 Prozent.
  • Fachkräftemangel und Anlaufprobleme beim E-Rezept könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

Der Senat betont zugleich, dass Eröffnung oder Schließung einer Apotheke eine unternehmerische Entscheidung sei, auf die das Land keinen direkten Einfluss habe. Er setze sich über die Gesundheitsministerkonferenz und den Bundesrat für eine Reform mit fairer Vergütung ein. Das erklärt, warum die Debatte weitgehend auf Bundesebene geführt wird.

Hat die Erhöhung des Fixums etwas verändert?

Die Berliner Apotheken forderten im März 2026 genau diese Anpassung. Laut Tagesspiegel war das Honorar für verschreibungspflichtige Arzneimittel damals seit 13 Jahren nicht gestiegen. Die PZ berichtet nun, dass das höhere Fixum von 9 Euro seit dem 1. Juli 2026 gilt und zum Jahreswechsel auf 9,50 Euro steigen soll. Trotzdem überschreibt die Zeitung ihre Quartalsauswertung vom Oktober mit der Feststellung, das Apothekensterben halte an. Für Berlin nannte sie in dieser Auswertung noch keine Zahlen, bundesweit lagen zum Redaktionsschluss ebenfalls noch nicht alle Länder vor. Ob und wann sich der Trend dreht, ist damit offen.

Wenn du den Einstieg in die Reihe noch nicht gelesen hast, findest du ihn hier: Apotheken in Berlin: Was hinter der Schließungswelle steckt. Für die Suche nach einer Apotheke in deiner Nähe lohnt außerdem ein Blick auf die Seite zu Apotheken in Berlin.

Quellen und weiterführende Links